Ökumenisches Fest am 28. Mai 2016

 

Zum Auftakt wurden über die lange Strecke der Tische fünf Krüge mit Wasser weitergereicht, die für fünf gemeinsame Quellen des Glaubens von evangelischen und katholischen Christen standen: Bibel, Bekenntnis, Geist, Tradition und Beten.
Das Wasser wurde in ein Taufbecken auf dem Vorplatz der Liebfrauenkirche geschüttet.

Die Rheinische Post schrieb von einem großen Erfolg dieses ungewöhnlichen Gemeindefestes – Was ist Erfolg bei einem solchen Fest?
Wir haben auf jeden Fall riesiges Glück gehabt: mit dem Wetter, der Stimmung, der stattlichen Zahl von Mitfeiernden aus der evangelischen wie der katholischen Gemeinde. Die Musik war gut, vom Posaunenchor über die Jazzband bis zum konfessionell gemischten Kirchenchor. Das Essen war lecker und reichlich – eine kleine Brotvermehrung.

Die lange Tafel fand auf der (fast von parkenden Autos freien) Degerstraße zwischen Liebfrauenkirche und Grafenberger Allee statt. Die Kulisse war einzigartig. Neben der langen Reihe der liebevoll geschmückten Tische, die sich um 17 Uhr tatsächlich mit Festgästen gefüllt hatten, ragte der Schuttberg vom Abriss des ehemaligen Luisenkrankenhauses auf, ganz oben der imposante Bagger. An einer bereits frei gelegten Wand zum Nachbarhaus stand leuchtend hingemalt das Wort „bleibt“.

Was bleibt? Nächstes Jahr feiert die evangelische Kirche ihr 500-jähriges Reformationsjubiläum. Wir Katholiken werden wohl eher nicht jubeln, sondern ein wenig melancholisch danebenstehen und uns fragen, ob denn der damalige Streit wirklich zu dieser tiefen Spaltung der Christenheit führen musste. Und ob die nicht endlich zu überwinden ist. Jedenfalls nicht für beide Seiten gleichermaßen ein Grund zum Feiern.
Auf der anderen Seite merken wir, gerade bei einem solchen Fest, dass wir nach den harten Trennungskonflikten inzwischen wieder ganz gute Freunde geworden sind, Katholiken und Protestanten. Und manche wichtige Anregung, die unsere eigene Kirche letztlich christlicher gemacht hat, verdanken wir ja tatsächlich auch unserer Schwesterkirche. Vielleicht hat es am Ende doch auch Gutes, durch eine solche „Konkurrenz“ von Konfessionen immer wieder zum ernsthaften Bemühen gezwungen zu sein: um Christus und seinem Evangelium treu zu bleiben, um ihn aufmerksam und den Menschen zugewandt in die jeweilige Zeit hinein auszudrücken.

Das Fest endete mit einem sehr fröhlichen Segensgottesdienst vor der Liebfrauenkirche. Alle Mitfeiernden nahmen aus dem Taufbecken, gefüllt mit Wasser aus den fünf Krügen vom Beginn des Festes, Wasser, um sich damit zu segnen. Ein Zeichen der Verbundenheit durch die Quellen, aus denen christlicher Glaube in allen Konfessionen lebt: die Bibel als unsere heilige Schrift, als Gottes Wort; das Bekenntnis zum dreifaltigen Gott; der Geist Gottes als Impulsgeber in uns; die Tradition, die Zeugen- und Zeugniskette, durch die wir von Christus erst Kenntnis erhalten; und das Gebet, durch das der Glaube zur lebendigen Beziehung mit Gott wird.

 

Pastor Ansgar Steinke