"Und führe uns nicht in Versuchung."

Vortrag von Dr. theol. Rudolf Laufen zu einer schwierigen Vaterunser-Bitte


Angestoßen durch eine Aussage von Papst Franziskus, ist die vorletzte der sieben Vaterunser-Bitten in die Diskussion geraten. Der Papst hatte gesagt, dass es sich bei dieser Formulierung um keine gute Übersetzung handele, da der gütige und liebende Gott, an den wir glauben, niemals in eine Versuchung zum Bösen führe. Aber nicht erst die kritische Äußerung des Papstes hat viele Christen nachdenklich gemacht. Schon vorher haben nicht wenige Gläubige mit dieser Bitte des Vaterunsers gehadert oder sich gar dafür entschieden, sie - zumindest im persönlichen Gebet - so nicht mehr zu beten, sondern stattdessen: „Lass uns nicht in Versuchung geraten.“ Die französische Bischofskonferenz hat sogar offiziell beschlossen, den Wortlaut in diesem Sinne zu korrigieren.


Andererseits sind viele Christen mit einer Veränderung des Vaterunsers nicht einverstanden. Man dürfe den Text nicht antasten, da er von Jesus selbst den Jüngern als grundlegendes Gebet anvertraut worden sei. Er stelle eine Herausforderung dar, und man müsse sich immer wieder darum bemühen, ihn im Sinne Jesu positiv zu verstehen. Außerdem gebe es in der Bibel viele Stellen, die schwer zugänglich seien, aber deshalb nicht einfach unserem (begrenzten) Verstehen angepasst werden dürften. Unabhängig davon, wie sich die Kirchenleitung in dieser Angelegenheit verhalten wird, sollte sich jeder Christ mit der plötzlich aktuell gewordenen Frage einmal auseinandersetzen.


Hier finden Sie den Text des Vortrags von Dr. theol. Laufen, den er am 28. Januar 2018 in der Liebfrauenkirche gehalten hat.