Ostern 2018

Ostern, das Fest der ganzen Gemeinde

 

Nach 40 Tagen Fastenzeit – Worauf alles hinausläuft

 

Am 14. Februar haben wir mit dem Aschermittwoch die 40-tägige Vorbereitungszeit auf Ostern begonnen. Sie steht unter dem biblischen Vor-Bild des 40-tägigen Wüstenfastens Jesu, der darin mit drei Versuchungen zu kämpfen hat: Steine zu Brot – gegen die unmittelbare Erfüllung meiner Bedürfnisse. Alle Macht der Welt – gegen das Übergehen der Freiheit. Von der Tempelmauer springen als Test, ob Gott rettet – gegen die Beweispflicht Gottes für seine Treue. Wohin hat uns unsere eigene Fastenzeit in diesem Jahr geführt?

 

Rechnet man nach, so ist man an Ostern beim 47. Tag. Es sei denn, man ließe die Sonntage weg. Und das macht auch Sinn. Denn bei den drei Versuchungen, mit denen wir umzugehen haben, genau wie Jesus, geht es wirklich um Alltagsprobleme:
Die unmittelbare Verfügbarkeit von Waren, Dienstleistungen, Informationen und Kommunikation kann uns unfähig machen, unsere Wünsche zurückzustellen im Blick auf andere Menschen, kann unsere Frustrationstoleranz schwächen und uns stressanfällig machen. Sie kann es uns auch schwer machen, mit Konsequenz und Ausdauer unseren eigenen moralischen Maximen zu folgen, eben anfällig für attraktive Versuchungen.


Unsere höchst individualisierte Lebensweise kann uns außerdem verführen, unsere eigenen Vorstellungen kompromisslos über die Bedürfnisse und Überzeugungen anderer zu stellen.
Schließlich können wir, gewöhnt an technische und soziale Schutzsysteme aller Art, schwer damit umgehen, wenn Gott geheimnisvoll bleibt und in Herausforderungen unfühlbar und erst recht unberechenbar bleibt. Da kann sich Distanz und auch Zweifel (Verzweiflung) einschleichen.
Alles ganz alltäglich. Die Fastenzeit wird daher eigentlich ohne die wöchentlichen Feiertage (Sonntage) begangen. Es geht um Einübung von Glauben im Alltag.

 

Rechnet man dagegen ganz normal die Sonntage mit, kommt man in 40 Tagen bis zum Palmsonntag. Es beginnt die Karwoche, die sich um die Passion Jesu dreht. Auch das macht Sinn für unsere Vorbereitung auf Ostern. Es geht dann um den dramatischen Fall der Gefahr des Todes. Jesus selbst ist herausgefordert, mit drei endgültigen Versuchungen fertigzuwerden:
Das menschliche Urbedüfnis ist nicht Brot, sondern (Über)Leben. Er hätte die Möglichkeit, dem nachzugeben und sich der Verhaftung zu entziehen. Flucht ist möglich.
Aber die Gewissheit, im Namen Gottes zu handeln, das Richtige zu glauben und zu tun, kann auch zu dem Impuls führen, die eigene Überzeugung kompromisslos durchzusetzen, zu kämpfen, statt wegzulaufen. Mindestens einer der Jünger hatte ein Schwert dabei. Mit 12 Männern an der Seite (und vielen engagierten Anhängern), mit Gott auf seiner Seite, könnte man den Kampf aufnehmen. Diesen Weg gingen damals (und gehen heute) viele.
Schließlich steht der Glaube in solchen Notsituationen selbst auf dem Prüfstand: Gott müsste doch Schutz vor Schmerz und Tod bringen, wenn er mich wirklich liebt, wenn es ihn wirklich gibt. Hier kommen viele zum Zweifeln oder Verzweifeln. Dramatische Version der Versuchungen Jesu. Dahin kann und wird es auch uns zu gegebener Zeit wohl führen.

 

Wir feiern Ostern mit drei Feiern, die ohne einander nicht gehen:
Am Gründonnerstag, wie Jesus dazu kommt, weder wegzulaufen, noch zum gewalttätigen Freiheitskämpfer zu werden: Er nimmt sein Todesschicksal an. Er sieht darin Sinn. Er deutet es so: Mein Leib, mein Blut, für euch hingegeben.
Karfreitag: Er trägt unter größten Leiden die Konsequenz seiner Entscheidung und hält seine Deutung des Geschehens durch. Liebe bis zum Äußersten, bis zur Vergebung für seine Mörder. Sogar in menschlicher Verweiflung: Warum hast du mich verlassen?!
Ostern selbst: Gott rettet. Nicht vor dem Tod, sondern im Tod. Auferweckung. Gott steht zu dem Menschen, der seinen Weg mit letzter Konsequenz geht. Der Zweifel an ihm führt in seine Antwort hinein. Gott ist treu.

 

In diesem Sinne lade ich Sie alle, auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen im Seelsorgeteam herzlich, ja dringend, ein, das Ziel der 40 Tage an Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern gemeinsam zu feiern!

 

Ihr Pastor Ansgar Steinke

 

Osterkerze 2018

Osterkerze: Entwurf Aloys Klingen; Ausführung: Susanne Körber, Dorothea Krüger, Gerlinde Schulte.

Geschmückt wie ein Pfingstochse…?

Ich bin schon Menschen begegnet, von den ich gedacht habe "Geschmückt wie ein Pfingstochse!" – Da waren Kleidung und Schmuck in solcher Fülle vorhanden, dass der Mensch darunter nicht zum Tragen kam; im Gegenteil, er bekam spontan ein negatives Etikett mit. Andersherum gibt es die ganz andere Art sich zu schmücken; so, dass der Mensch, die Person, das Wesen und das Innere hervorgehoben wird und der Mensch als Ganzes zu strahlen beginnt.

Unsere diesjährige Osterkerze wird von Ornamenten bestimmt. Ornament kommt aus dem Lateinischen (ornare) und meint so viel wie schmücken, zieren, ordnen. Ornamente sind sich meist wiederholende, oft abstrakte Muster mit symbolischer Funktion. Ornamente finden sich zum Beispiel auf Tüchern, Bauwerken oder Tapeten. Als Blumen- und Blätterornamente kennen Sie sie aus Kirchen, Kreuzgängen und anderen Bauwerken an Säulen oder Erkern sowie an Decken (Stuck) oder Hauseingängen. Ein Ornament ist etwas anderes als eine Verzierung oder Dekoration, die schlicht der Verschönerung dienen.

 

Die gelb-goldenen Ornamente an unserer Osterkerze erzählen die strahlende Botschaft des Lichtes der Auferstehung. Sie sind wie ein Gewand, so wie Jesaia es formuliert: „Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn. Meine Seele soll jubeln über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit, wie ein Bräutigam sich festlich schmückt und wie eine Braut ihr Geschmeide anlegt“ (Jes 61,10)

Wenn wir uns diesen Mantel des Lichtes und der Freude umlegen (lassen), kann er unser Herz hell und froh machen und wir werden zu Menschen, die wie die Frauen und die Jünger erzählen:“ Er lebt! Er ist auferstanden!“

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen im Namen des ganzen Seelsorgeteams ein frohes und gesegnetes Osterfest!

 

Susanne Körber, Pastoralreferentin

 

"Und führe uns nicht in Versuchung."

Vortrag von Dr. theol. Rudolf Laufen zu einer schwierigen Vaterunser-Bitte


Angestoßen durch eine Aussage von Papst Franziskus, ist die vorletzte der sieben Vaterunser-Bitten in die Diskussion geraten. Der Papst hatte gesagt, dass es sich bei dieser Formulierung um keine gute Übersetzung handele, da der gütige und liebende Gott, an den wir glauben, niemals in eine Versuchung zum Bösen führe. Aber nicht erst die kritische Äußerung des Papstes hat viele Christen nachdenklich gemacht. Schon vorher haben nicht wenige Gläubige mit dieser Bitte des Vaterunsers gehadert oder sich gar dafür entschieden, sie - zumindest im persönlichen Gebet - so nicht mehr zu beten, sondern stattdessen: „Lass uns nicht in Versuchung geraten.“ Die französische Bischofskonferenz hat sogar offiziell beschlossen, den Wortlaut in diesem Sinne zu korrigieren.


Andererseits sind viele Christen mit einer Veränderung des Vaterunsers nicht einverstanden. Man dürfe den Text nicht antasten, da er von Jesus selbst den Jüngern als grundlegendes Gebet anvertraut worden sei. Er stelle eine Herausforderung dar, und man müsse sich immer wieder darum bemühen, ihn im Sinne Jesu positiv zu verstehen. Außerdem gebe es in der Bibel viele Stellen, die schwer zugänglich seien, aber deshalb nicht einfach unserem (begrenzten) Verstehen angepasst werden dürften. Unabhängig davon, wie sich die Kirchenleitung in dieser Angelegenheit verhalten wird, sollte sich jeder Christ mit der plötzlich aktuell gewordenen Frage einmal auseinandersetzen.


Hier finden Sie den Text des Vortrags von Dr. theol. Laufen, den er am 28. Januar 2018 in der Liebfrauenkirche gehalten hat.